Das lange Scheitern von digitaler Kundenübervorteilung
Es gibt mehr als einen Grund, warum die Kopierschutzmaßnahmen, die unter der Abkürzung DRM (Digital Rights Management) zusammengefasst werden, weitgehend erfolglos waren. Warum DRM nicht funktioniert, kann man Verbrauchern am besten in Worten erklären, die er versteht: „Was passiert mit der Musik, für die Du Geld bezahlt hast, wenn das Unternehmen seine Meinung ändert?“. Früher war das eine hypothetische Frage, heute ist es eine historische. Die Firma Rhapsody, ein großer US-Online-Musikdienst, musste gerade erst einen weiteren seiner mit DRM belasteten Dienste einstellen. In dieser Woche teilte Rhapsody seinen Nutzern mit, dass sie Musik im Rhapsody-eigenen Dateiformat RAX bis zum 7. November in anderes Format konviertieren müssten, ansonsten würden sie sie beim nächsten Aufrüsten ihrer Computer verlieren.
Die Electronic Frontier Foundation, eine Organisation, die sich für die mediale Selbstbestimmung einsetzt, fasst den Kampf folgendermaßen zusammen:
Unternehmen behaupten, DRM sei notwendig, um Online-Urheberrechtsverletzungen zu bekämpfen und die Verbraucher vor Viren zu schützen. Aber es gibt keinen Beleg dafür, dass DRM dazu beiträgt, diese Probleme zu bekämpfen. Stattdessen hilft DRM großen Unternehmen dabei, Innovation und Konkurrenz dadurch zu unterdrücken, dass es einfach wird, „unberechtigte“ Nutzung von Medien und Technologie zu unterbinden.
Die Nebenwirkungen dieses wenig erfolgreichen Versuchs, Schwarzkopien zu bekämpfen, sind leider die Stunden, die es die Verbraucher kostet, die Musik zu beziehen, zu extrahieren und zu sichern, wenn ein Dienst eingestellt wird, verkauft wird oder einfach entscheidet, dass DRM der falsche Weg war (zuweilen in unter fünf Monaten). Hier ist eine kurze Historie des Aufstiegs und Falls von DRM bei US-Musikdiensten.
Oktober 1998
Der Digital Millennium Copyright Act wird verabschiedet, ein Gesetz, das die Umgehung von DRM und Programme dazu verbieten.
Dezember 2001
Der Online-Musikdienst Rhapsody startet sein Abonnement zum unbegrenzten Musik-Streamen, der mit dem Helix-DRM des Unternehmens eingeschränkt ist.
Mai 2002
Shuman Ghosemajumder schlägt das Open Music Model vor, das festlegt, dass DRM-freie Abonnement-Dienste das einzige erfolgreiche Geschäftsmodell ist, um Schwarzkopien zu bekämpfen. Es setzt offene Online-Tauschbörsen, offene Dateiformate, freie Mitgliedschaft, freie Bezahlung und freie Konkurrenz voraus.
21. April 2003
RealNetworks (bekannt für RealAudio, RealVideo und den RealPlayer) erwirbt listen.com, denen Rhapsody gehört, und bieten Streaming für eine monatliche Gebühr an.
28. April 2003
Eine Woche später wird der iTunes Store mit durch FairPlay DRM verschlüsselten Songs eröffnet. Es beschränkt die Nutzer darauf, die Musik von nur drei (später fünf) Computern abspielen zu können und höchstens zehn (später sieben) Kopien einer CD-Playlist anfertigen zu können. Apple bietet keine Lizensierung ihrer Verschlüsselung an, so dass ausschließlich Apple-Geräte iTunes-Musik abspielen können.
November 2003
FairPlay wird von Jon Lech Johansen („DVD Jon“) gecrackt, der zuvor durch seinen Beitrag zur DeCSS-Software bekannt geworden war, die DVDs entschlüsseln kann und vier Jahre zuvor erschien.
Januar 2004
RealNetworks kündigt den Verkauf DRM-beschränkter Musik im RealPlayer Music Store an.
August 2004
Microsoft fängt an, Geräte und Anbieter mit dem PlaysForSure-Siegel zu zertifizieren, das aussagt, dass diese auf Kompatibiltät mit Dateien getestet wurden, die mit dem Windows Media DRM verschlüsselt wurden.
Februar 2005
Yahoo! Music bietet unbeschränkt Musik an (als Umbenennung von LAUNCH Media) zu den vom Open Music Model empfohlenen Abonnementpreis von 5 US$, jedoch mit DRM.
Oktober/November 2005
Nutzer von CDs von Sony entdecken das Sony Rootkit in deren SecuROM DRM. Die Entfernung dieser Schadsoftware macht bei manchen eine Neuinstallation von Windows nötig. Sony schließt einen Vergleich im Dezember. (Mehr zum Ablauf der Geschichte um Sonys Rootkit (en).)
Juli 2006
Der eMusic Abo-Dienst, der DRM-freie Songs verkauft, wird zweitgrößter Dienstleister für digitale Musik, allerdings mit einem Marktanteil von 11 % gegenüber 67 % von iTunes.
September 2006
Steve Jobs gibt bekannt, dass Apple 88 % des legalen Download-Markts für Musik besetzt.
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November 2006
Microsoft gibt die PlaysForSure-Strategie zugunsten eines Apple-ähnlicheren Ansatzes auf, bei dem der Zune Player (Microsofts Antwort auf Apples iPod) eng an den Zune Marketplace (Microsofts Onlineplattform für den Musikkauf) gekoppelt wird. Musik mit PlaysForSure kann vom Zune nicht wiedergegeben werden.
Februar 2007
Steve Jobs schreibt in „Gedanken zur Musik“, dass es die Musikunternehmen sind, die Apple dazu zwingen, DRM in iTunes-Kaufverträgen zu verwenden, und spricht sich dafür aus, die Anforderungen zu lockern. „DRM hat nicht funktioniert, um Musikpiraterie zu unterbinden, und vielleicht wird es nie funktionieren,“ schreibt er.
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April 2007
Das Musikangebot von EMI wird DRM-frei auf iTunes angeboten, für eine Extragebühr im Rahmen von „iTunes Plus“.
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Mai 2007
Amazon kündigt an, DRM-freie Musik für 99 (US-)Cents pro Lied zu verkaufen. Kurz drauf gibt Apple den Aufpreis für DRM-freie Angebote auf.
Kunden entdecken bald, dass in jedem dieser iTunes-Songs, auch den neuen, DRM-freien, die persönlichen Daten der Kunden eingeflochten sind.
August 2007
Wal-Mart startet ein Angebot DRM-beschränkter MP3-Downloads.
Der Nokia Music Store wird eröffnet. Er bietet eine Handy-Software zum Kauf von Musik, bei der DRM dafür eingesetzt wird, dass die Musik nur auf dem jeweiligen Handy abgespielt werden kann.
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Februar 2008
Walt-Mart entscheidet sich dafür, DRM-freie MP3s anzubieten.
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März 2008
Microsoft kündigt an, dass der MSN Music Store nicht mehr weitergeführt wird und dass die Nutzer ihre Songs auf keinem Computer mehr abspielen können werden der nicht bis zum 31. August autorisiert wird. Das beworbene „plays for sure“ ist damit eindeutig hinfällig.
April 2008
Apple wird größter Musikverkäufer der USA, gefolgt von Wal-Mart und Best Buy.
Juni 2008
Microsoft reagiert auf den Aufschrei der Nutzer und willigt ein, dass Songs aus dem MSN Music Store noch bis Ende 2011 übertragen werden können.
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September 2008
Yahoo! Music Unlimited schließt und verschmilzt mit Rhapsody. Ihre Nutzer werden aufgefordert, ihre Musik bis zum Ende des Monats auf CDs zu brennen, da bei dem Umstieg auf Rhapsody der Zugriff auf die Lizenzschlüssel gekaufter Musik verlorengeht.
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Wal-Mart trifft die Entscheidung, ihr DRM-System zu beenden, womit die Unterstützung für die geschützten Dateien endet, die Wal-Mart fünf Monate lang angeboten hatte.
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Januar 2009
Apple einigt sich mit den vier großen Musikkonzernen, dass alle über iTunes verkaufte Musik DRM-frei wird.
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April 2009
Apple gibt die Verfügbarkeit DRM-freier Versionen sämtlicher Musik im iTunes Store bekannt (für Videos, Hörbücher und Apps bleibt das DRM erhalten).
April 2010
Rhapsody wird aus RealNetworks ausgegliedert.
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September 2010
Der Nokia Music Store (Ovi Music) entscheidet sich dazu, DRM-frei zu werden.
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November 2011
Rhapsody teilt seinen Nutzern mit, dass sie Songs im älteren RAX-Dateiformat bis zum 7. November in einem anderen Format zu sichern hätten, da diese ansonsten bei einer Aufrüstung ihres Computers verlorengingen.

Dieser Text ist eine (zuweilen freie) Übersetzung des Artikels „The DRM gaveyard: A brief history of digital rights management in music“ von Ruth Suehle.
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